Performance/ Installation
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Eine Bewegung kann Bewegung des Körpers beim Tanzen, musikalische, geistige, oder historische Bewegung sein. Der Bewegung entgegengesetzt ist die Vorstellung des Stillstands. Eine Vorstellung, die sich selbst nur in einer Denkbewegung denken lässt. Ein Bild ist vielleicht eine solche, im Stillstand, implizierte Bewegung, eine Art Widerstand im Denken. Widerstand kann den politischen Widerstand meinen oder eine physikalische Kraft, z.B. eine Fliehkraft oder einen Verformungswiderstand, eine der Deformation entgegenwirkende Kraft. Eine Kraft, die sich vielleicht auch in Bewegungen der Kunst, in der Widerständigkeit ihrer Formen zeigt.
Das Leben der Tänzerin und Bildhauerin Oda Schottmüller bewegte sich zwischen Formen des künstlerischen und politischen Widerstands. Aufgrund ihrer Beteiligung am Widerstand gegen den Nationalsozialismus, wurde sie 1943 in Berlin-Plötzensee ermordet. Die meisten ihrer Arbeiten wurden zerstört. Das hat uns dazu bewogen, ausgehend von erhalten gebliebenen Fotografien und Berichten, eine Arbeit zu entwickeln, die auf Odas Werk aufbaut und gleichzeitig versucht, es weiter zu denken, und der Frage nachzugehen, wie die Wahrnehmung der stillstehenden Zeit in der Fotografie selbst eine Bewegung ist und eine Abfolge weiterer Bilder hervorruft:
Wenn sie mich ansieht, blickt ihre Maske zum Himmel, doch jetzt neigt sich ihr Gesicht, und ihre Maske starrt mich an. Ihre Arme umschlingen sie und die Verdrehung ihres Kopfes rutscht in den Körper. Sie entdreht ihn mit einer Öffnung zum Fenster hin, durch welches das Licht wie ein Scheinwerfer auf ihn trifft und ihn nach hinten wirft, als wäre er sein eigener Schatten. Ihre Arme sind fragil, die Finger verbogen wie die kleinen Äste eines kahlen Baums im Winter. Und die Maske lächelt dazu. Ein Lächeln, dass das gewaltige Lachen der Herrschenden an ihr abprallen lässt. Langsam gleitet sie von mir weg, rückwärts in die Zukunft, lässt meine Gegenwart zwischen den Ruinen der Vergangenheit stehen. Ich sehe sie immer vor mir, und sie, voll Entsetzen, blickt immer zurück, beide Arme nach oben gestreckt, mit offenen Handflächen, wie Flügel, die sie nicht mehr schließen kann, als würden sie von einem Sturm, der ihr entgegenweht, auseinander gedrückt.
Nami Miwa: Tanz
Ian Rodriguez (Konservatorium): Musik
Franziska Wildt: Choreographie und Installation